Neue WZGE-Studie: 80% halten am klimaneutralen Industrieumbau fest – aber fordern mehr Fairness und Jobperspektiven

Neue Vergleichsstudie von WZGE und E.ON Foundation für Deutschland, Frankreich und Polen: Jobperspektiven und Fairness entscheiden über den Rückhalt

Vier von fünf Beschäftigten in Deutschland, Frankreich und Polen lehnen eine Verlangsamung des klimaneutralen Industrieumbaus ab. Gleichzeitig wachsen Ungewissheit und Zweifel an einer fairen Lastenverteilung. Das zeigt die Studie „Klimaneutrale Industrie: Orientierungen für eine faire Transformation in Europa“, die das WZGE heute auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung vorgestellt hat.

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„Klimaneutrale Industrie: Orientierungen für eine faire Transformation in Europa (2026)“

Trotz angespannter Wirtschaftslage und wachsendem Druck auf den Industriestandort halten Beschäftigte mehrheitlich am klimaneutralen Umbau der Industrie fest. Nur eine Minderheit will die Klimaziele verschieben. Eine Kehrtwende ist nicht erkennbar.

Zugleich blicken die Befragten insgesamt skeptischer auf die Beschäftigungsaussichten. Ihre persönliche Jobperspektive bewerten sie weiterhin deutlich positiver als die allgemeine – den größten Anteil machen aber unverändert die Unentschlossenen aus. Die Lasten der Transformation sehen die Beschäftigten aus allen sozialen Gruppen überwiegend ungerecht verteilt, vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen seien im Nachteil. Die eigene Bereitschaft, einen Beitrag zu leisten, bleibt stabil; das Vertrauen in die Mitwirkung anderer sinkt dagegen merklich.

Zentrale Analysen

  • Auf die Unentschlossenen kommt es an. Transformationsüberzeugte brauchen keine Ansprache, Transformationsgegner mit hoher Präferenz für Parteien am rechten Rand wollen keine. Wer den Wandel vorantreiben will, muss vor allem jene gewinnen, die noch unentschieden sind.
  • Beschäftigung und Fairness motivieren Beiträge. Unterstützer und Gegner unterscheiden sich vor allem darin, ob sie eine persönliche Jobperspektive erkennen und ob sie Lasten und Erträge als fair verteilt wahrnehmen. Wer eine persönliche Jobperspektive erkennt, bevorzugt zudem ein höheres Transformationstempo. Daraus folgt: Wer Beschäftigte für den Wandel halten und gewinnen will, sollte Beschäftigung und Fairness besonders adressieren.
  • Jobperspektiven erhöhen die Zahlungsbereitschaft. Der experimentelle Studienteil zeigt: Weder die Aussicht auf mehr staatliche Vorinvestitionen noch auf mehr nationale Unabhängigkeit motiviert die Bereitschaft zu zusätzlichen Abgaben (bis zu 1% des Haushaltsnettoeinkommens) – wohl aber die Aussicht auf positive Beschäftigungseffekte. Wer mehr Zahlungsbereitschaft einfordert, sollte umso mehr die Jobaussichten adressieren.

„Unsere Daten zeigen, dass der Rückhalt für eine klimaneutrale Industrie maßgeblich von zwei Faktoren abhängt: von positiven Jobperspektiven und einer fairen Lastenverteilung. Faktisch wollen die Beschäftigten weiterhin mitwirken – solange sie davon ausgehen können, dass es sich für sie lohnt und ihre Anstrengungen nicht von anderen ausgebeutet werden.“ (Martin von Broock, Vorstandsvorsitzender WZGE)

„Wer auf die aktuelle Debatte blickt, könnte meinen, die Unterstützung für die Transformation bröckelt. Unsere Daten zeigen das Gegenteil: Die große Mehrheit der Beschäftigten hält auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten am Ziel einer klimaneutralen Industrie fest. Der Auftrag an Politik und Wirtschaft ist klar: Klimaneutralität darf nicht gegen Wettbewerbsfähigkeit ausgespielt werden. Die Transformation muss beides sichern – wirtschaftliche Stärke und Zu-kunftsperspektiven für Beschäftigte.“ (Stephan Muschick, Geschäftsführer E.ON Foundation)

Über die Studie

Für die aktuelle Erhebungswelle hat infas quo im Juni 2026 insgesamt 6.259 Beschäftigte in Deutschland, Frankreich und Polen online befragt. Die Stichproben sind nach Alter, Geschlecht und Region bzw. Bundesland repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung der jeweiligen Länder. Die Studie ist Teil einer mehrjährigen Befragungsreihe, die in Deutschland seit 2022 und in Frankreich und Polen seit 2025 läuft. Sie wurde vom WZGE in Zusammenarbeit und mit Förderung der E.ON Foundation durchgeführt.

 

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