Ansatz

Das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik bearbeitet gesellschaftliche Konflikte mit einem wissenschaftlich fundierten Ansatz.

Es geht uns um die Vermittlung von ethischen Prinzipien, die vom Einzelnen, von Unternehmen und von Organisationen im Alltag gelebt werden können. Die zentralen Prämissen dieser Ethik legen wir nachfolgend dar.

Freiheit

Ethik befasst sich mit dem verantwortlichen Gebrauch von Freiheit: Es geht um die Frage, wie Menschen in Entscheidungssituationen im Dienste gesellschaftlicher Zusammenarbeit handeln sollen. Ob im Beruf, als Bürger oder in der Familie – jeder Mensch steht ständig vor Entscheidungen, die immer auch moralische Aspekte berühren. Ihnen zugrunde liegt oft eine Vielzahl empirischer Einschränkungen, konkurrierender Wertvorstellungen und Interessen, die kaum in Einklang gebracht werden können. Dies führt unweigerlich zu Konflikten. Aufgabe der Ethik ist es, Orientierungen und Instrumente für die Analyse, Lösung und Vermittlung jener Konflikte anzubieten. Denn die wahrgenommene Verantwortung entscheidet langfristig darüber, in welchem Maße die Menschen sich langfristig Freiheiten zugestehen.

Ordnung

In der modernen Gesellschaft werden Konflikte in erster Linie durch die soziale Ordnung gelöst. Dabei sind zwei Ebenen zu unterscheiden:

  • die der formalen Spielregeln (Gesetze, Richtlinien, Verträge etc.), die festlegen, welche Freiheiten gewährt werden und mithilfe von Anreizen gewünschtes Handeln fördern und unerwünschtes Handeln sanktionieren,
  • und die des informellen Spielverständnisses (Ideale, Werte, Überzeugungen), die den Dialog darüber anleiten, wie Freiheiten innerhalb der Ordnung wahrgenommen werden und neu aufkommende Konflikte gelöst werden sollen.

Beide Ebenen der Ordnung sind unverzichtbar für den Erhalt von Freiheit: Vorherrschende Wertvorstellungen und geltende Regeln bestimmen stets gemeinsam, welche Erwartungen sich zwischen den Menschen herausbilden, welche Kooperations- und Konfliktpotenziale daraus hervorgehen und wie letztere erfahren und bearbeitet werden. Das gilt für internationale Kooperationen, nationale Gemeinschaften wie auch für Unternehmen oder Organisation gleichermaßen.

Beide Ebenen der Ordnung geraten unter Druck: Im Lichte zunehmender Veränderungsgeschwindigkeiten, damit einhergehender Disruptionen und wachsender Ungewissheiten verlieren bewährte Regeln ihre Wirkmächtigkeit. (Digitale) Innovationen, kurzfristige Krisen und Ad-hoc-Entwicklungen führen zu Konflikten, die mit herkömmlichen Denkweisen, Standards und Prozessen oft nicht zu lösen sind. Hinzu kommt, dass in der globalen Gemeinschaft vielfältige Traditionen und Wertvorstellungen miteinander konkurrieren. In der Folge wird der Dialog über angemessene Konfliktlösungen zunehmend anspruchsvoll.

Führung

Unter diesen Voraussetzungen wird ethisch fundierte Führung immer wichtiger. Wo Ordnung, d.h. Spielregeln und Spielverständnis, keine hinreichenden Orientierungen (mehr) vermitteln, werden Impulsgeber benötigt: Verantwortlich führen heißt, im Interesse des Erhalts von Freiheit eigeninitiativ Konflikte aufzugreifen (Reflexion), aktiv zu Lösungen beizutragen (Gestaltung) und deren Vermittlung zu unterstützen (Argumentation). Für alle drei Ebenen stellt unsere Ethik-Konzeption, die philosophische Traditionen und ökonomische Logik verbindet, fundierte und gleichermaßen praktisch anwendbare Instrumente bereit.