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WZGE unterstützt Diskussion "Neue Wege nach der Finanzkrise?"

Gemeinsam mit DSGV-Präsident Georg Fahrenschon, der Vorsitzenden von Transparency International Deutschland Prof. Edda Müller und Prof. Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie München hat Dr. Martin von Broock am 12. April zum Thema "Ethik und Finanzwirtschaft" diskutiert.

Veranstaltet wurde das Gespräch von der Katholischen Akademie in Berlin. Dabei ging es insbesondere um den Zusammenhang von Rahmenordnung und unternehmerischer Verantwortung für funktionierende Finanzmärkte. In seinem Beitrag stellte Dr. von Broock aus Sicht des WZGE folgende Thesen heraus:

(1) Die Soziale Marktwirtschaft besitzt nach wie vor ethische Qualität: Im Lichte immer wieder auftretender Krisen und Skandale gerät bisweilen aus dem Blick, dass die große Mehrheit der Unternehmen hierzulande den Menschen gute Problemlösungen bereitstellt, mit Beschäftigungsangeboten umfassende Möglichkeiten sozialer Teilhabe schafft und über Steuern und Abgaben maßgeblich zur sozialen Infrastruktur beiträgt. Allerdings ist das ethische Momentum der Sozialen Marktwirtschaft kein Automatismus, sondern verlangt fortwährende Investitionen, nicht nur von Unternehmen, sondern auch von Politik und Bürgern.

(2) Unternehmerische Verantwortung hat sich an den Kernwerten Leistung und Respekt zu orientieren. Zweck von Unternehmen ist es, Wertschöpfung im Auftrag der Menschen zu organisieren. Entsprechend lautet die erste Prämisse des vom WZGE mitinitiierten und von über 50 Unternehmen unterstützen Leitbilds für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft "Wirtschaft muss das Wohl der Menschen fördern". Anständig Wirtschaften heißt: gute Problemlösungen bieten (Leistung) und dabei die legitimen Interessen anderer angemessen berücksichtigen (Respekt). Die Kernherausforderung für Unternehmen - gerade auch im Finanzsektor - besteht nun darin, fortwährend die sich aus diesem Spannungsfeld ergebenden Konflikte aufzudecken und begründet Position zu beziehen. Dies ist nicht nur eine Frage der inneren Regeln (Governance), sondern auch der inneren Haltung (Werte bzw. Kultur). Denn letztere entscheidet mit, in welchem Maße Regeln tatsächlich zur Anwendung gebracht bzw. im Alltag gelebt werden oder eben nicht.

(3) Kulturwandel ist kein Projekt, sondern ein umfassender und langfristiger Prozess. Es sind vor allem drei Prämissen, die über das Gelingen kultureller Veränderungsprozesse entscheiden: (a) Notwendig ist ein sichtbares Bekenntnis und Engagement der obersten Führung; es gilt die bekannte Devise "Die Treppe wird von oben gekehrt". (b) Die Belegschaft muss aktiv in den Prozess eingebunden - etwas von Dritten "aufschreiben" zu lassen und dann in Seminaren zu verkünden ist wenig hilfreich. (c) Damit Werte auch Wirklichkeit werden, müssen sie in die Anreizstrukturen, d.h. formale Prozesse und Verfahrensweisen eingebettet werden. Solange beispielsweise Vergütungssysteme den Erfolg von Führungskräften allein an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen (Leistung) bemessen, ist nicht davon auszugehen, dass ethische Faktoren (Respekt) im Alltag ein Rolle spielen. Aufgabe der obersten Führung ist es daher, Konsistenz herzustellen: zwischen Werten, Worten und Taten.

Anlass für die Diskussion war die Vorstellung des von Georg Fahrenschon und Prof. Johannes Wallacher herausgegebenen Buchs Ethik und Finanzwirtschaft, in dem Dr. Martin von Broock mit dem Beitrag "Ethische Aspekte der Vergütung" vertreten ist.