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Wirtschaft mit Haltung: Gewinne sind eine (wichtige) Randbedingung

Auf dem Reinhard Mohn Symposium 2016 am 11. Mai in Berlin hat Prof. Andreas Suchanek einen Impuls zum Thema Wirtschaft mit Haltung beigesteuert.

Weitere Beiträge kamen unter anderem von Doug Frantz, Deputy Secretary-General of the OECD, Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sowie Thomas Kremer, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG für Datenschutz, Recht und Compliance. Im Mittelpunkt des Statements von Prof. Suchanek standen folgende Kernthesen:

(1) Haltung beweist sich in Konflikten

Haltung wird im Allgemeinen darin sichtbar, dass Unternehmen an sie gerichtete legitime Ansprüche und Erwartungen hinreichend erfüllen. Dies erweist sich im Alltag als große Herausforderung, da unterschiedliche Ansprüche mitunter unvereinbar, mit sehr hohen Kosten oder schlichtweg nicht erfüllbar sind. Haltung zeigt sich daran, wie Unternehmen mit diesen Konflikten umgehen und in welchem Maße sie dabei Verantwortung zeigen.

(2) Etablierte Konfliktlösungsmechanismen geraten unter Druck

Im Alltag werden solche Konflikte auf der "Spielzugebene" durch gemeinsame "Spielregeln" (Gesetze, innerbetriebliche Prozesse etc.) und ein geteiltes "Spielverständnis" (Kultur, Werte, Überzeugungen) gelöst. Es sind vor allem zwei Faktoren, die die Stabilität dieser Mechanismen zunehmend unterminieren: Im Zuge der Globalisierung agieren Unternehmen auf immer mehr Spielfeldern (Stichwort globale Wertschöpfungsnetzwerke). Parallel sorgt die hohe Innovationsgeschwindigkeit (Stichwort Digitalisierung) fortwährend für disruptive Änderungen der Spielbedingungen. In der Folge verlieren etablierte Konfliktlösungsmechanismen ihre Wirksamkeit; etwa weil es auf globaler Ebene allenfalls in Ansätzen gemeinsame Regelsetzungsinstanzen gibt oder weil Regelsetzung kaum noch mit der Innovationsdynamik Schritt halten kann. Ohne Stabilität, Verlässlichkeit und Akzeptanz ist Wertschöpfung aber nicht möglich. Daher gewinnt der Faktor Haltung, verstanden als (Mit-)Verantwortung zur (Mit-)Gestaltung der Konfliktlösungsmechanismen, maßgeblich an Bedeutung.

(3) Notwendig sind Investitionen in ein neues Spielverständnis

Als wesentlicher Ansatzpunkt für "Wirtschaft mit Haltung" erweist sich das Spielverständnis: Wirtschaft wird bislang vorwiegend in der Logik endlicher Spiele bzw. zeitpunktbezogen gedacht: Unter der Annahme einer stabilen Rahmenordnung geht es für Unternehmen darum, im Wettbewerb zu gewinnen, auf dem Weg dorthin festgelegte Ziele zu erreichen und dabei fortwährend ihren Mitteleinsatz zu optimieren. Im Lichte der dargelegten Entwicklungen geht es - im Interesse der eigenen Existenz - mehr und mehr darum, auch in jene Bedingungen zu investieren, die eine nachhaltige Fortsetzung des Spiels überhaupt ermöglichen. Wirtschaft mit Haltung meint mit anderen Worten, nicht allein die kurzfristigen Gewinne, sondern vor allem die langfristigen Möglichkeiten der Gewinnerzielung in den Blick zu nehmen. Zugespitzt formuliert wird Gewinn damit zu einer (wichtigen) Randbedingung. Ein solcher dringend angezeigter Paradigmenwechsel im Spielverständnis benötigt indes Investitionen von vielen. Im einzelnen Unternehmen zeigt sich eine entsprechende Haltung in werteorientierter Führung, der Achtung bestehender Regeln und insbesondere im Einhalten nicht sanktionierbarer Versprechen.

In der Diskussion stießen die Ausführungen auf viel Zuspruch und lösten zugleich Nachdenklichkeit aus. Am WZGE sollen die zunächst grob skizzierten Idee in den kommenden Monaten im Dialog mit Partnern aus Theorie und Praxis weitergedacht werden.

Mehr zur Veranstaltung finden Sie unter dem nachfolgenden Link.

http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/mai/verantwortungsvolles-unternehmertum-gesellschaftliche-veraenderungen-gestalten/