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Die Energiewende braucht nicht nur mehr sondern auch besseren Dialog

In der Lutherstadt entwickeln Studierende im "Selbstversuch" ethische Leitplanken für den Energiediskurs.

Die Energiewende braucht nicht nur mehr sondern auch einen besseren Dialog. Zu diesem auf den ersten Blick einfachen Ergebnis kamen die Teilnehmer der Energie-Akademie, die das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) vom 16. bis zum 21. September mit Förderung der RWE Stiftung in der Lutherstadt durchgeführt hat.

Laut Umfragen befürworten mehr als 80 Prozent der Bundesbürger die Energiewende. Zugleich nehmen die lokalen Widerstände gegen Stromtrassen und Kraftwerke  zu. Viele Menschen fordern mehr Beteiligung, mehr Transparenz und einen intensiveren Dialog. Aber wovon hängt der Erfolg von Dialogen ab?

In einem simulierten Stakeholder-Dialog zum Thema Netzausbau nahmen die Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen aus dem In- und Ausland die Rollen von Bundesregierung, Kommunalpolitik, Energiewirtschaft, Industrie, Bürgerbewegungen und Umweltverbänden ein. Zuvor waren sie von Experten der genannten Gruppen sowie vom Wittenberg-Zentrum thematisch vorbereitet worden. Eine Jury bewertete im Anschluss an die Simulation die Argumentationen im Hinblick auf ihre ethische und fachliche Qualität. Sie setzte sich zusammen aus Eckhard Naumann, Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg, Dr. Peter Lubitzsch, Technischer Leiter der Stadtwerke Wittenberg und Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen Sachsen-Anhalt, Prof. Andreas Suchanek, Vorstand am WZGE und Lehrstuhlinhaber an der HHL-Handelshochschule Leipzig sowie Dr. René Mono, Geschäftsführer der 100 prozent erneuerbar stiftung.

Die Ergebnisse des Dialogs im Überblick:

  • Die mit der Energiewende einhergehenden Konflikte können nur bedingt durch Gesetze und Institutionen gelöst werden. Infolge des raschen Beschlusses sind Verfahrenswege und Instanzen vielfach noch im Aufbau.
  • Wissenschaft und Forschung liefern zwar Orientierungen, für die mit der Energiewende einhergehenden Fragen, können  aber keine umfassende, von allen Seiten akzeptierte Lösung liefern.
  • Dialog ist daher unverzichtbar: Notwendig ist eine Verständigung nicht nur über die gemeinsamen Ziele, sondern vor allem auch über die Bedingungen der Energiewende.
  • Die Einigung auf eine solche Ausgangsbasis verlangt von allen beteiligten Gruppen die grundlegende Bereitschaft zum Perspektivwechsel und zur Kooperation.

Trotz harter und kontroverser Diskussionen über die vorab bestimmten Handlungsfelder  konnten sich die Gruppen letztlich auf drei Lösungsansätze - alternative Trassenführung, Erdverkabelung, Gründung einer Ausgleichsstiftung - verständigen.

Als hilfreich erwies sich dabei ein zweistufiges Vorgehen: Zunächst verständigten sich alle Gruppen auf ein geteiltes Problemverständnis. Anschließend fanden die Befürworter und die Gegner des Trassenausbaus jeweils zu einer gemeinsamen Position zusammen, so dass letztlich nur noch zwei anstatt sechs Parteien verhandelten. 

Die Beobachter der Simulation zeigten sich beeindruckt von Engagement und Kompetenz der Nachwuchskräfte. "Ich würde mir wünschen, dass die Debatten in der Praxis ähnlich sach- und dialogorientiert ablaufen würden", kommentierte Dr. Peter Lubitzsch von den Stadtwerken Wittenberg. Die theoretischen Erkenntnisse der Simulation fasste Dr. Martin von Broock, Mitglied im Stiftungsvorstand des WZGE, wie folgt zusammen: "Wenn Akteure zur Konfliktlösung nicht auf Regeln oder Instanzen zurückgreifen können, müssen sie sich dem Dialog stellen. Daraus folgt: Ohne ein Mindestmaß an Kooperationsbereitschaft und Vertrauen könnte das Gemeinschaftswerk Energiewende scheitern."

"Die Dialogveranstaltung ist ein vorbildliches Projekt für die RWE Stiftung. Uns ist es ein wesentliches Anliegen, jungen Menschen die Komplexität der Energiethematik zu vermitteln und sie darauf vorzubereiten, fundierte eigene Entscheidungen zu treffen", so Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer der RWE Stiftung.

Das WZGE wird die Ergebnisse der Energie Akademie aufarbeiten und in seine laufenden Projekte mit Politik, Energiewirtschaft, Industrie und gesellschaftlichen Gruppen einfließen lassen.

Zur Berichterstattung im RWE-Blog