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4. Akademie für Energie & Akzeptanz: Ethische Kompetenzen für bessere Dialoge

Wie lassen sich zentrale Konflikte der Energiewende lösen; wie können Konfrontationslinien überwunden werden?

Bereits zum vierten Mal stand diese Frage im Mittelpunkt der "4. Akademie für Energie & Akzeptanz", die vom 28. Februar bis 4. März 2016 am Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) stattfand.

Das in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Energiemanagement und Nachhaltigkeit der Universität Leipzig und mit Förderung der RWE Stiftung für Energie & Gesellschaft durchgeführte Format beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem Thema "Big Data als Schlüssel zur Energiewende?"

20 Studierende und Promovierende unterschiedlicher Fachrichtungen von 17 Universitäten hatten sich während der Akademiewoche in der Lutherstadt Wittenberg mit dieser grundlegenden Richtungsfrage der Energiewende beschäftigt: Nach der Vertiefung der wirtschaftsethischen und energiewirtschaftlichen Kenntnisse setzten sie sich mit den Argumenten verschiedener Praxisvertreter - von Bundesregierung, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., RWE AG, dem ehemaligen Berliner Datenschutzbeauftragten sowie der Siemens AG - auseinander. Am Folgetag schlüpften sie in einem simulierten Stakeholder-Dialog in die Rollen dieser Akteure und bezogen vor dem Hintergrund des gegenwärtig diskutierten Gesetzentwurfs zur Digitalisierung der Energiewende Position zum geplanten Smart Meter-Rollout.

Nach einführenden Überlegungen von Malte Spitz (Netzpolitiker und Bürgerrechtler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und unter Moderation der Wirtschaftsjournalistin Dr. Ursula Weidenfeld gingen sie in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums auf die Suche nach gemeinsamen Lösungsansätzen. Dabei wurde schnell deutlich, dass das Gelingen des "Gemeinschaftswerks Energiewende" Kompromisse erfordert, für die vertrauensbildende Dialoge eine unabdingbare Voraussetzung sind. Die präsentierte Lösung wurde schließlich durch Zugeständnisse aller Akteure nach intensiven Aushandlungen und Abstimmungen erzielt: Ein flächendeckender Einbau von Smart Metern wäre zu akzeptieren, wenn erstens für eine umfassende Datenweitergabe der Geräte die aktive Zustimmung der Verbraucher erfolgt und sich zweitens Energiewirtschaft und Industrie an den Einbaukosten beteiligen.

Eine Jury bewertete die Argumentationen der Studierenden hinsichtlich ihrer ethischen und fachlichen Qualität. Sie setzte sich zusammen aus Malte Spitz, Kerstin Eckart (Projektleiterin Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa), Dr. Stephan Muschick (Geschäftsführer RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft) sowie Prof. Andreas Suchanek (Wissenschaftlicher Direktor des WZGE, Inhaber Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensethik HHL Leipzig Graduate School of Management).

Für ihr Engagement und ihre Kompetenz erhielten die Studierenden viel Lob von den Beobachtern der Simulation: "Wenn die reale Diskussion nur halb so sachlich und konsensorientiert verlaufen würde wie dieser simulierte Dialog, wäre uns allen geholfen", resümierte ein Zuschauer.

Die RWE Stiftung sieht in der Akademie eine ausgezeichnete Plattform, um junge Menschen die Energiewende und die Komplexität der notwendigen Entscheidungen aktiv erleben zu lassen. "Die persönliche Auseinandersetzung mit den oft widersprüchlichen Perspektiven zu einzelnen Aspekten der Energiewende schult besser für die Zukunft als jedes Lehrbuch" so Dr. Stephan Muschick.

Das WZGE wird die Ergebnisse der "4. Akademie für Energie & Akzeptanz" auswerten und für die Gestaltung besserer Stakeholder-Dialoge fortentwickeln.

Weitere Berichte zur 4. Akademie für Energie & Akzeptanz:

Der 4. Energie-Akademie-Kompromiss: Wenn weniger "Smart" mehr ist