Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Erfahrung auf unserer Website zu geben. Durch das weitere Nutzen der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Zweiter Wittenberger Dialog zu Markt und Moral

Am 27. und 28. September 2011 fand der zweite Workshop aus der Reihe "Wittenberger Dialog zu Markt und Moral: Das Problem der Legitimation der Marktwirtschaft und die Begründung von Unternehmensentscheidungen" statt.

Wie bereits beim Auftakt der Veranstaltungsreihe im letzten Jahr nahmen Wissenschaftler der Politik-, Erziehungs-, Kommunikations- und Volkswirtschaft sowie aus den Disziplinen Philosophie, christliche Soziallehre und Wirtschaftsethik teil.

Ausgangspunkt der diesjährigen Diskussion bildete die zunehmende Ratlosigkeit und Kritik der Gesellschaft gegenüber aktuellen wirtschaftlichen und politischen Ereignissen. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 bis 2010 sehen viele Menschen in der derzeitigen Krise der europäischen Staatsschulden und des Währungssystems ihre moralischen Vorbehalte gegenüber der Marktwirtschaft, ihren Institutionen und Personen bestätigt.

Ein Ergebnis der Diskussion ist die Erkenntnis, dass ein wesentlicher Teil des Problems in einem Vermittlungsproblem besteht: Es ist bislang nicht auf breiter Ebene gelungen, ein umfassendes Verständnis über Marktmechanismen und deren inhärenten moralischen Wert zu vermitteln. Zentrale Herausforderung hierbei wird die (Re-)Integration von Individual- und Institutionenethik - einschließlich ihrer verständlichen Darstellung - sein. So basiert die gesellschaftliche Beurteilung wirtschaftlicher Vorgänge oft auf individualethischen Vorstellungen., die in der Familie, Schule und Kleingruppe geprägt werden, sie lassen sich jedoch nur durch eine institutionenethische Übersetzung auf die Strukturen der arbeitsteiligen, global vernetzten und funktional differenzierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts übertragen. Zugleich darf eine institutionenethische Darstellung nicht in ein Verständnis münden, demgemäß der Einzelne von individueller Verantwortlichkeit enthoben ist.

Diese Integration von individual- und institutionenethischer Perspektive ist schon in der schulischen Bildung anzulegen; zugleich stellt ihre angemessene Berücksichtigung in der Unternehmenskommunikation eine wichtige Kommunikationsaufgabe von Führungskräften dar.

In einem nächsten Schritt werden deshalb Vertreter der Wirtschaft zur Teilnahme am dritten Wittenberger Dialog zu Markt und Moral eingeladen. Dieser ist für Ende 2012 geplant.