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"Vertrauen in die Führungseliten" - WZGE unterstützt Wittenberger-Gespräch des Ministerpräsidenten

Wie steht es um das Vertrauen in die Führungseliten der Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 19. Wittenberger Gespräch der Landesregierung Sachsen-Anhalt, zu dem Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff in die Lutherstadt geladen hatte.

Die Idee zum Thema war während einer Gremiensitzung des Wittenberg-Zentrums entstanden, an der Haseloff als Präsidiumsmitglied teilgenommen hatte. In der Folge konnte das Wittenberg-Zentrum aus den eigenen Reihen Bundespräsident a.D. Prof. Horst Köhler, Prof. Jürgen Strube sowie Prof. Andreas Suchanek als Redner gewinnen. Gemeinsam mit den Beiträgen des Ministerpräsidenten, von Oberbürgermeister Eckhard Naumann, der Landesbischöfin Ilse Junkermann, dem Botschafter Polens in Deutschland Dr. Marek Prawda sowie dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen entstand ein interessantes Programm, das auf breites öffentliches wie auch mediales Interesse stieß. So musste die Veranstaltung aufgrund der hohen Zahl von mehr als 400 Anmeldungen kurzfristig aus der Stiftung Leucorea in die Stadtkirche zu Wittenberg verlegt werden.

 Bundespräsident a.D. Prof. Horst Köhler, Mitglied im Kuratorium der Stiftung des Wittenberg-Zentrums, stellte in seinem Vortrag auf die Voraussetzungen gesellschaftlichen Vertrauens in die gesellschaftlichen Entscheider ab: Einerseits hob er die besondere Verantwortung der wirtschaftlichen und politischen Eliten hervor. Als Vorbilder dürften sie sich keine Exzesse - ob im Hinblick auf Boni oder sonstige Vergünstigen - erlauben. Andererseits mahnte er zugleich, Bürger und gesellschaftliche Gruppen müssten ihre kritische und kontrollierende Funktion mit Fairness und Augenmaß wahrnehmen. Erwartungen und Ansprüche gegenüber Entscheidern müssten immer auch deren "Können" in den Blick nehmen. Der zunehmende Trend zur Skandalisierung hingegen erschwere es, ernsthafte Diskussionen über angemessene Erwartungen und tatsächliche Verfehlungen von Entscheidern in Politik und Wirtschaft zu führen.

Prof. Andreas Suchanek, Vorstand am Wittenberg-Zentrum, hob in seiner Rede die Bedeutung gemeinsamer Maßstäbe für die Entstehung und Bewahrung von Vertrauen hervor. Im Hinblick auf berechtigte Erwartungen an Entscheider stellte er die Eigenschaften Kompetenz, Rechtschaffenheit und Nicht-Opportunismus, also ein Befolgen von Regeln dem Geiste und nicht dem Buchstaben nach, heraus. Entscheidend für Vertrauensgewinne oder -verluste sei die äußere Wahrnehmung der Haltung, mit der Führungseliten ihre Entscheidungen treffen. Suchanek unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Dialogprozessen für die Herausbildung gemeinsamer Maßstäbe, anhand derer Haltung und Handeln überprüft werden könnten. Als Beispiele für Investitionen in solche gemeinsamen Maßstäbe nannte er den Wittenberg-Prozess der Chemie-Sozialpartner und die Leitbildinitiative der Deutschen Wirtschaft.

Prof. Jürgen Strube, ehemaliger Kuratoriumsvorsitzender und Mitglied des Wittenberg-Zentrums, ergänzte die Ausführungen zum Vertrauen in die Personen und den Begriff des Systemvertrauens. Am Beispiel der Währung machte er deutlich, dass ohne gemeinsame Bezugspunkte persönliches Vertrauen in der großen Gesellschaft kaum gelingen kann. Gleichwohl würde dieses Systemvertrauen immer auch die Handlungen der im System agierenden Entscheider mit beeinflusst. Angesichts dessen sei werteorientiere, am nachhaltigen Erfolg ausgerichtete Führung in Wirtschaft und Politik unabdingbare Voraussetzung für die Entstehung und Bewahrung eines gesellschaftlichen Grundvertrauens.

Nach den Impulsen der Redner wurden die Diskussionen auf dem Abendempfang fortgeführt, zu dem Ministerpräsident Haseloff ins Alte Rathaus der Lutherstadt geladen hatte.

Rede von Bundespräsident a.D. Prof. Horst Köhler