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Afrika-Forum fordert weitergehende Zusammenarbeit zwischen Europa und den Staaten Afrikas.

Instrumente einer gemeinsamen partnerschaftlichen Entwicklung

Wittenberg. Von wichtigen Vertretern und Vertreterinnen Afrikas aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft wurde jetzt gemeinsam mit deutschen, europäischen und nordamerikanischen Teilnehmern auf dem Afrika-Forum 2006 im Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik e.V. (WZGE) ein Forderungskatalog verabschiedet. Er soll die zukünftige Entwicklungszusammenarbeit erfolgreicher gestalten und deren Schwerpunkte für die Zukunft beschreiben.

Die Basis-Forderungen sind Ergebnis einer dreitägigen Tagung, die unter dem Titel "Fostering Entrepreneurial Spirit" Grundlagen einer zukunftsorientierten Entwicklungspolitik diskutierte und innovative wirtschaftspolitische Impulse thematisierte. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, machte schon zu Beginn der Tagung, in Anspielung auf den Genius Loci Wittenberg deutlich, dass "reformatio" unter anderem auch Neuanordnung oder Ordnung neuer Rahmenbedingungen bedeute. Das treffe insbesondere auch auf die Beziehungen und die bisherige Zusammenarbeit zwischen Europa und den Ländern Afrikas zu. Hier sei noch viel zu tun, auch und gerade von Seiten Europas.

So forderte denn auch Karl Homann, Lehrstuhlinhaber für Philosophie und Wirtschaft, Universität München, und Präsidiumsmitglied des Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik, für die europäische Seite die Einsicht, dass es in der spezifischen Entwicklung Afrikas keine Patentlösungen geben könne, immer nur jeweils regionale Unternehmungen vor Ort, die in Märkten lokaler Natur erfolgreich wirken. Diese Lösungen müssen von Afrikanern entwickelt werden. Hierbei kann Europa helfen, hin zu einem Afrika gleichberechtigter und ebenbürtiger Partner, mit denen europäische Firmen und Unternehmen in den jeweiligen Märkten kooperieren. "Leider erkennen deutsche Unternehmen", so Homann, "viel zu wenig, dass Afrikas Potenziale auch große Chancen für uns bedeuten, dass aber auch Afrikas Probleme zunehmend unsere Probleme sind." Dies unterstützte die Botschafterin der Republik von Mali, Fatoumata Siré Diakité, mit dem plastischen Satz, "wenn Europa sich nicht in Afrika engagiert, kommen meine Landsleute eben nach Europa."

Afrika, so zeigte die Konferenz in Wittenberg, ist längst kein Randthema mehr. Auch der Afrika-China-Gipfel, an dem mehr als 40 Regierungschefs anwesend waren, zeigt deutlich, dass andere Länder in der Zusammenarbeit mit Afrika enorme Möglichkeiten und Chancen sehen. Das verdankt sich nicht zuletzt der Initiative Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD).

Firmino Mucavele, Exekutivdirektor der NEPAD, forderte denn auch dezidiert die Förderung des Entrepreneurial Spirit als Schlüssel zu einer erfolgreichen Entwicklung in den afrikanischen Staaten. Der wesentliche Vorteil liege in der privatwirtschaftlichen Struktur dieses Entwicklungsinstrumentes. Es beinhalte zugleich die Entwicklung von human ressources durch Erziehung und Ausbildung und damit einhergehend eine mittelfristige Steigerung der Produktivität in den regionalen Wirtschaften. Diese von Firmino Mucavele geforderten zwei Entwicklungsschritte bewirken zugleich Reformen nationaler Systeme und schaffen so Rechtssicherheit und eine gute Verwaltung als Voraussetzungen für partnerschaftliches und ebenbürtiges wirtschaftliches Handeln in den Märkten Afrikas. Ebenso betonte Mucavele, dass die Tagung in Wittenberg für die von ihm beschriebenen Prozesse ein wichtiger Schritt war. Wesentliche Aufgabe sei es nun, die Impulse in die Welt zu tragen und praxisorientiert vor Ort umzusetzen.

Stärkere Praxisorientierung und eine wesentlich effektivere und schnellere Umsetzung einzelner Entrepreneur-Projekte müssen nach Josef Schleicher, Direktor External Affairs & Public Policy, DaimlerChrysler AG, die gleichzeitig Hauptsponsor der Wittenberger Konferenz ist, zukünftig absoluten Vorrang haben. Dies gilt auch für die Projekte, die DaimlerChrysler in den nächsten Jahren  weltweit, auch im Schwerpunkt Afrika, realisieren wird. "Viele deutsche Firmen", so betonte Josef Schleicher, "sehen offensichtlich ihre Chancen in Afrika noch nicht. Hier muss noch einiges getan werden, vornehmlich in den Firmen selbst". Weitere Vertreter anderer Global Player, wie Vertreter der BASF, der Deutschen BP oder der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation Deutschland, unterstützen Schleicher.

Andrew Young, ehemaliger UN-Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika und Mitbegründer und Präsident des Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik, ergänzte den Forderungskatalog hinsichtlich einer Weiterentwicklung und Förderung des "Fostering Entrepreneurial Spirits" mit der geopolitischen Tatsache, dass Europa, Amerika und Afrika einander brauchen, angesichts wachsender weltpolitischer Einflussnahmen weiterer Großräume, wie zum Beispiel Indien, China und andere asiatische Staaten oder Lateinamerika. "Hier kann ein partnerschaftliches Umgehen miteinander", so Young, "Entwicklungen in Gang setzen, die allen Beteiligten am afrikanischen Entwicklungsprozess nutzen und Wohlfahrt für deren Gesellschaften bedeutet".

Junge Afrikaner, Teilnehmer der Konferenz, bestätigten und unterstützen zugleich die im Forum vorgetragenen Analysen und neuen Instrumente für zukünftige Impulse der Entwicklung. "Als gut ausgebildete 2. Generation können wir gemeinsam mit gleichwertigen Partnern eigene Lösungen in unseren landesspezifischen Entwicklungsprozessen vorantreiben, die allen Beteiligten nutzen können", so Steve Ako Tanga, Universität Magdeburg. "Hierbei ist der wirtschaftliche Aspekt wesentlich", betont Tumenta F. Kennedy, (WZGE), "und bietet die Chance, starke Märkte in rechtssicheren Ländern bei guter Verwaltung und Finanzinfrastruktur aufzubauen. Wir brauchen einen Perspektivenwechsel, bei dem deutlich wird, dass Afrika als gleichberechtigter Partner viel zu bieten hat."

Das Zentrum ist eine deutsch-amerikanische Gemeinschaftsinitiative, gegründet von Außenminister Hans-Dietrich Genscher und US-Botschafter a.D. Andrew Young. Zentrale Aufgabe des Vereins ist, ethische Prinzipien, die Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand in einer sich entwickelnden Weltgesellschaft ermöglichen, in ihrer gesellschaftlichen und politischen Relevanz aufzuzeigen, zu diskutieren und in die Öffentlichkeit zu tragen.