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Syrischer Großmufti wirbt für Dialog am Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik

Für einen offenen Dialog ohne Vorurteile sprach sich der Großmufti der Syrischen Arabischen Republik Dr. Ahmad Adreddin Hassoun bei seinem Besuch in der Lutherstadt Wittenberg aus.

Mit Vertretern aus Kirchen, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft diskutierte er über das friedliche Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen in der heutigen Zeit. Unter den Teilnehmern waren auch der Bischoff der chaldäisch-katholischen Kirche in Syrien, Antoine Audo, der Botschafter Syriens in Deutschland, Hussein Omran, sowie Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff. Zum Gespräch eingeladen hatte das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik, dessen Präsident Eckhard Naumann, Oberbürgermeister von Wittenberg, den hochrangigen Gast im historischen Lutherhaus begrüßte.

 Der Großmufti ist die höchste Instanz Syriens bei der Deutung der Regeln und Gebote der islamischen Religion. Seine liberale Haltung unterstrich Dr. Hassoun mit klaren Botschaften wie "Ich glaube an zivile Staaten und nicht an religiöse" und "Es gibt keinen heiligen Krieg - nur der Friede ist heilig". Und mit Hinweis auf den Fall der Berliner Mauer äußerte er die Hoffnung, dass eines Tages auch der Grenzzaun zwischen Israel und den Palästinensergebieten fallen könnte. Im Verlauf des Gesprächs betonte der Großmufti immer wieder die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen und Weltanschauungen und verwies insbesondere auf die Parallelen zu den Lehren des Reformators aus Wittenberg: "Wir richten uns nach den Prinzip Luthers, wonach der Dialog mit der Zunge und nicht mit den Händen zu führen ist."

Prof. Andreas Suchanek, Vorstand des Wittenberg-Zentrums hob die Notwendigkeit des kulturellen Dialogs auch für andere Bereiche hervor: "Toleranz in Kultur und Religion sind nicht nur unabdingbar für den Frieden. Sie sind auch eine wesentliche Voraussetzung für eine gelingende Zusammenarbeit in der Wirtschaft." Zuvor hatte bereits Wirtschaftsminister Haseloff die guten Beziehungen zwischen Sachsen-Anhalt und Syrien betont. Ulrich Petzold, Bundestagsabgeordneter, unterstrich, dass die "geliehene Welt" nur mit Frieden und Wissen erhalten werden könne. Der Großmufti bedauerte, dass immer mehr Menschen eine Trennung zögen zwischen der Ethik und Wirtschaft oder Politik. Ethik sei "der erste Weg des Menschen"; nach seiner Ansicht müssen deshalb mehr Einrichtungen wie das Wittenberg-Zentrum geschaffen werden, die vor allem Studierende und Wissenschaftler ethisch orientieren. Deshalb will er bei der syrischen Botschaft eine Fortsetzung des Gedankenaustausches mit dem Wittenberg-Zentrum anregen.

Nach der Ankunft in Wittenberg wurden der Großmufti und seine Delegation zunächst von Dr. Martin Treu durch das Lutherhaus geführt. Im Beisein von Oberbürgermeister Naumann trug er sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Anschließend ging es in die Bibliothek der Stiftung Leucorea zur Diskussion. Vor der Abreise nach Aachen, der nächsten Station seines Deutschlandaufenthalts, besichtige der Großmufti noch die Schlosskirche, an der Martin Luther der Legende nach die 95 Thesen gegen den Ablasshandel angeschlagen haben soll - beinahe auf den Tag genau vor 490 Jahren.