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Chemie-Sozialpartner investieren in den Faktor Vertrauen

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IGBCE) haben heute in Anwesenheit von Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler in Berlin eine Sozialpartner-Vereinbarung unterzeichnet.

Diese enthält gemeinsame Leitlinien für verantwortliches Handeln in der Marktwirtschaft. Die Vereinbarung ist das erste Ergebnis des Wittenberg-Prozesses, der vom Wittenberg-Zentrum für Global Ethik moderiert wird.

 (Berlin/ Wittenberg, 14. August 2008)  Wie ist das erfolgreiche Modell der sozialen Marktwirtschaft unter den Bedingungen der Globalisierung weiterzuentwickeln? Wie kann seine Akzeptanz in der Öffentlichkeit gestärkt werden? Und wie kann die Verantwortung von Unternehmen und Sozialpartnern durch geeignete "Spielregeln" noch besser organisiert werden? Um diese Fragen zu diskutieren, haben der BAVC und die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie IG BCE mit Unterstützung des Wittenberg-Zentrums im Juli 2007 den Wittenberg-Prozess der Chemie-Sozialpartner gestartet. In fünf Workshops diskutierten Vertreter beider Organisationen in der Lutherstadt unter Moderation des Wittenberg-Zentrums bislang zu den Themen "Soziale Marktwirtschaft", "Responsible Care", "Gute Arbeit", "Global Fair" und "Humankapital". Heute wurde in Berlin in Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler eine Sozialpartnervereinbarung vorgestellt, welche die gemeinsam entwickelten Leitlinien für die künftige Zusammenarbeit der Sozialpartner enthält.

In seiner Rede sagte der Bundespräsident zum Wittenberg-Prozess: "Ich habe mich auch darüber gefreut, dass gerade das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik Ihren Dialog mit Rat und Tat unterstützt hat, denn ich fühle mich dem Anliegen des Zentrums verbunden." Mit Verweis auf die am Wittenberg-Zentrum vertretene Theorie bezeichnete er die Soziale Marktwirtschaft als den "besten Ordnungsrahmen für die alltägliche Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil".

Aus Sicht des Wittenberg-Zentrums stellt der Wittenberg-Prozess der Chemie-Sozialpartner eine bedeutende Innovation sowohl für die beteiligten Organisationen als auch für die Gesellschaft insgesamt dar: Zunächst ist ein solch gemeinsames Vorgehen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertretern an sich als Neuerung zu bewerten. Die Tatsache, dass der Dialogprozess sogar während der intensiven Tarifverhandlungen im Frühjahr 2008 fortgeführt wurde, verdeutlicht die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Anliegens. Das partnerschaftliche Vorgehen von BAVC und IG BCE, die unterschiedliche und bisweilen sogar gegensätzliche Interessen verfolgen, stärkt nicht nur das Vertrauen untereinander und verbessert so die Grundlagen verantwortlicher Tarif- und Beschäftigungspolitik. Es kann auch ein wichtiges Signal im öffentlichen Diskurs setzen. Die Initiative bietet ein Gegenbeispiel für die emotionalen Schlagabtausche zwischen Wirtschaft und Gesellschaft. Anstatt sich öffentlichkeitswirksam auf Kosten des anderen zu profilieren, formulieren die Sozialpartner gemeinsame Positionen zu Fragen von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung. Es geht ihnen damit offenbar nicht um den kurzfristigen Vorteil der eigenen Profilierung, sondern vielmehr um eine nachhaltige Investition in den Faktor Vertrauen.

Für die Wirtschaftsethik liefert der Wittenberg-Prozess einen wichtigen, weil greifbaren Beitrag. Prof. Andreas Suchanek, Vorstandsvorsitzender des Wittenberg-Zentrums und Inhaber der Professur für Nachhaltigkeit und Globale Ethik an der Handelshochschule Leipzig: "Am Wittenberg-Prozess wird deutlich, dass die derzeit so oft geforderte Debatte über Werte und Ethik in der Wirtschaft auch substanziell geführt werden kann, dass verantwortungsvolles Verhalten auch unter den Bedingungen der Praxis zu Geltung kommen kann und dass eine Zusammenarbeit gemeinsame Vorteile erzeugen kann und der Vorteil des einen mithin nicht zwangsläufig der Nachteil des anderen sein muss."

In der Öffentlichkeit wird der Prozess auch an seiner Nachhaltigkeit gemessen werden. Deshalb ist die vereinbarte Fortsetzung des Wittenberg-Prozesses sehr zu begrüßen. Die von den Sozialpartnern gemeinsam entwickelten Instrumente zur Verbreitung seiner Inhalte und Botschaften können einen wichtigen Beitrag leisten, um den Dialog zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten in der Chemieindustrie weiter zu verbessern. Gerade angesichts der stetig zunehmenden Herausforderungen im Globalisierungsprozess können solche Investitionen in die Zusammenarbeit zum wechselseitigen Vorteil kaum unterschätzt werden. Das Wittenberg-Zentrum wird den Prozess auch künftig als strategischer Partner begleiten.

Weitere Informationen zu den Inhalten der Sozialpartner-Vereinbarung sind unter www.bavc.de sowie www.igbce.de abrufbar.