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Erst der Mehrwert, dann die Daten. Oder umgekehrt?

Die 8. Akademie für Energie & Akzeptanz beleuchtete das Spannungsfeld von Klima- und Datenschutz. In den Rollen von Energieversorgern, Verbraucherverband und Bürgergruppen rangen die Teilnehmer:innen um Kompromisse.

Die 16 Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet sahen sich auch in diesem Jahr mit einem kniffligen Thema konfrontiert: Klimaschutz rauf – Datenschutz runter? Nach den Einführungen in die Wirtschafts- und Unternehmensethik durch Prof. Andreas Suchanek vom WZGE mussten sie sich mit verschiedenen Blickwinkeln auf die Fragestellung auseinandersetzen:

Nur mit einer digitalen „Echtzeitenergiewirtschaft“ gelingt die Energiewende. Deshalb müssen wir die Geräte „hinter dem Stromzähler“ – also Stromverbraucher und Stromerzeuger in Unternehmen und Haushalten – aktiv ins Netz einbeziehen. Prof. Jens Strüker, Geschäftsführer des Instituts für Energiewirtschaft, zeigte in seinem Fachvortrag, dass eine dekarbonisierte und dezentrale Energieversorgung ohne „Datenteilen“ nicht möglich ist.

Dies sahen grundsätzlich auch die Praxisexperten so: Lothar Ahle von der Westnetz GmbH verwies auf die zunehmende Grünstromlücke, die ohne datenbasierte Netzsteuerung nicht zu schließen sei. Angesichts hoher Investitionen dürfe aber auch die Wirtschaftlichkeit der Geschäftsmodelle nicht aus dem Blick geraten. Gegen das Datenteilen hatte auch David Schick von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen prinzipiell keine Einwände – solange die Entscheidung beim Verbraucher liege („Opt-In“) und der Mehrwert für diesen klar sei. Das Thema Kundenanreize griff Robert Spanheimer vom Digitalverband Bitkom auf, verwies in diesem Zusammenhang aber auf das „iPhone-Moment“: Gerade die Evolution des Smartphones zeige, dass der Mehrwert digitaler Innovationen ex-ante oftmals nur begrenzt bestimmbar sei und diese immer auch Vertrauen voraussetzten. Henrik Zimmermann von Germanwatch hob schließlich hervor, dass auch ein digitales Energienetz als Solidargemeinschaft funktionieren muss. Dies setze insbesondere auch die Vermeidung (digitaler) Monopole voraus.

Damit waren verschiedene ethische Dilemmata umrissen: Inwieweit können Mehrwerte versprochen werden, bevor Daten geteilt sind? Wie lassen sich im Hinblick auf ein digitales Energienetz unternehmerische Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Solidarität zusammendenken? Und: Inwieweit lassen sich die Forderung nach Transparenz und der Wunsch vieler Kunden nach einfachen Lösungen („Plug-and-Play“) zusammenbringen?

Über diese Fragen verhandelten die Teilnehmer:innen dann in der Simulation des Stakeholder-Dialogs in den zugelosten Rollen von Energieversorgern, Verbraucherverband und Bürgergruppen – wie immer unter bewährter und zielorientierter Moderation von Dr. Ursula Weidenfeld. Als Beauftragte der Bundesregierung setzte sie die Gruppen – diesmal im Berliner BASECAMP – unter erheblichen Einigungsdruck. Zuvor teilte Peter Schaar, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) seine Überlegungen zum Akademiethema: Im Energiebereich sei eine Volldigitalisierung zwar notwendig, allerdings nur mit klar geregelten Zugängen und zugewiesenen Verantwortlichkeiten. Die anschließende Diskussion glich zunächst einem Mikado-Spiel: Wer bewegt sich zuerst und unterbreitet ein Angebot? Erst gegen Ende konnte schließlich ein Kompromiss erzielt werden: ein Stufenmodell mit einer datenentkoppelten Grundversorgung für alle und datengekoppelten Tarifen für Pioniere; außerdem die Zusage von allen Gruppen, diesen Kompromiss aktiv zu vertreten.

Für die Jury mit Dr. Thomas Engelke von der Verbraucherzentrale Bundesverband, Akademie-Alumna Kathrin Meyer und Prof. Andreas Suchanek vom WZGE war die Urteilsfindung nicht einfach – alle Gruppen hatten ihre Positionen fachlich gut und respektvoll vertreten. Schließlich gewann mit knappem Vorsprung das Team „Bürger“.

Gemeinsam mit dem Förderer der Energieakademie, der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft, bearbeitet das WZGE das Thema über die Veranstaltung hinaus: Seit Januar 2020 läuft das Projekt „Ethische Herausforderungen der digitalen Energiewende“, in dem die in der Akademiewoche nur angerissenen Fragestellungen gemeinsam mit Expert:innen aus Energiewirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft weiter vertieft werden.

Foto: Jörg Farys

Alle Informationen zur "Akademie für Energie & Akzeptanz" gibt es unter www.energieakademie.org.

https://innogy-stiftung.com/projekte/akademie-fuer-energie-und-akzeptanz/