Goldene Regel
Die Goldene Regel ist ein universales ethisches Prinzip, das sich in allen großen Weltreligionen und Kulturen finden lässt. Die allgemein bekannte Version lautet: "Was du nicht willst, das man dir tue, das füg auch keinem anderen zu." Dieses Prinzip der Gegenseitigkeit spiegelt sich nicht nur im Judentum, Christentum (Mt. 7,12; Lk. 6,31) und Islam wider, es findet sich aber auch im Konfuzianismus und Buddhismus, sowie bei den Philosophen der griechischen Antike und der Aufklärung, bekannt vor allem als Kategorischer Imperativ von Immanuel Kant. Das Wittenberg-Zentrum arbeitet mit einer ökonomischen Interpretation der Goldenen Regel: "Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil."
Gesellschaft verstehen wir - im Sinne des Sozialphilosophen John Rawls - als System der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil. Sei es der Kauf beim Bäcker, der Bau einer Produktionsanlage oder ein internationales Entwicklungsabkommen - Beispiele gesellschaftlicher Zusammenarbeit finden sich zahlreich im Alltag. Menschen kooperieren, um gemeinsam einen höheren Nutzen zu erreichen. Allerdings stellt sich eine solche "fruchtbare" Zusammenarbeit nicht automatisch ein. Sie erfordert Voraussetzungen, die sicherstellen, dass die berechtigten gesellschaftlichen Interessen angemessen berücksichtigt werden. Es bedarf mit anderen Worten verlässlicher Bedingungen, die vor Ausbeutung durch andere schützen und Anreize für die Zusammenarbeit liefern - andernfalls scheitern Kooperationen oder kommen erst gar nicht zustande. Jene Bedingungen sind indes nicht zum "Nulltarif" zu haben. Funktionierende Regeln, Standards und Selbstverpflichtungen setzen die Initiative und Beiträge von Einzelpersonen und kollektiven Akteuren voraus.
Angesichts dessen sollten Menschen, Unternehmen und Organisationen im eigenen Interesse in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit investieren, um von ihren Vorteilen profitieren zu können.

"Das Wittenberg-Zentrum arbeitet mit einer Ethikkonzeption, die von der traditionellen, in allen Kulturen verbreiteten 'Goldene Regel' ausgeht. Ihr Prinzip muss für die moderne Gesellschaft übersetzt und immer wieder neu angewendet werden."
Prof. Dr. Dr. Karl Homann
Vorsitzender des Stiftungsrats
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