Africa Forum 2006 "Fostering Entrepreneurial Spirit"
Unternehmergeist, selbst bestimmtes und eigenverantwortliches Handeln sind die Voraussetzungen für eine stabile und erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklungüberall auf der Welt - insbesondere auch in Afrika. Diese Botschaft ist das zentrale Ergebnis des Afrika-Forums 2006, das vom 3. bis 6. Dezember am Wittenberg-Zentrum stattfand. Zahlreiche junge Nachwuchskräfte aus insgesamt 25 Staaten sowie führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft kamen zur Tagung unter dem Motto "Fostering Entrepreneurial Spirit" zusammen. Das Forum war ein Meilenstein im Rahmen des Programms "Building Global Cooperation - New Alliances withAfrica", welches seit 2002 mit Unterstützung der DaimlerChrysler AG und weiterer Sponsoren läuft.
Andrew Young, Gründer und amerikanischer Co-Präsident des Wittenberg-Zentrums, ist der Impulsgeber für diesen Prozess, aus dem innovative Akzente für die Entwicklungspolitik hervorgehen sollen. Als früherer Weggefährte von Martin Luther King und späterer US-Botschafter bei den Vereinten Nationen berät er heuteverschiedene reformorientierte afrikanische Staatschefsin Fragen der guten Regierungsführung, Demokratisierung und wirtschaftlichen Entwicklung. Ein Hauptanliegen ist dabei die Vermittlung der Ideen von Marktwirtschaft und verantwortlichem Unternehmertum an die junge Generation. So zielt das Programm in Wittenberg auf den Austausch und die Vernetzung von Nachwuchskräften mit integeren Führungspersönlichkeiten aus Afrika, Amerika und Europa ab.
Während der viertägigen Konferenz in der Leucorea wurden die verschiedenen Dimensionen von "Entrepreneurial Spirit" herausgearbeitet. In seinem übermittelten Grußwort betonte Bundespräsident Horst Köhler die Kreativität und den Einfallsreichtum der Afrikaner, die großen Chancen des Kontinents auch für deutsche Unternehmer, aber auch die oft fehlende Rechtssicherheit, welche Investitionen behindere. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer wies auf die Erfahrungen in Europahin, etwa beim Transformationsprozess in Ostdeutschland. Die Afrikaner könnten daraus eigene Erkenntnisse ziehen, zugleich aber ihrerseits auch wertvolle Ideen und Hinweise zur Lösung von Problemen hierzulandegeben. Prof. Karl Homann zeigte auf, dass es keine Patentlösungen gibt; vielmehr müssten die Konzeptevon Rechtsstaatlichkeit und Good Governance denregionalen Gegebenheiten angepasst werden. Unterdieser Voraussetzung könnten die Kooperationspotenziale überhaupt erst ausgeschöpft werden. Die Chancen Afrikas für eine bessere Integration in die Weltgemeinschaft würden sich deutlich verbessern.Notwendig sei darüber hinaus ein Paradigmenwechselin der Entwicklungszusammenarbeit: "from aid to trade" - von gut gemeinter Wohltätigkeit - hin zur Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.
Als prominenter Gast aus Afrika betonte auch Prof. Firmino Mucavele, Chief Executive Officer der Initiative "New Partnership for Africas Development" (NEPAD) die Herstellung von Rechtssicherheit und Infrastrukturensowie die Förderung von Humanressourcen und Unternehmergeist als entscheidende Schritte zur erfolgreichen Entwicklung Afrikas. Die Initiative NEPAD als Selbstverpflichtung der afrikanischen Regierungen biete hierfür den strategischen Bezugsrahmen, der auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt wird. Der "African Peer Review Mechanism" trage zur Transparenz und zur Kommunikation der erzielten Fortschritte bei.
Unterstützung fanden die Ausführungen unter anderem durch den langjährigen Außen- und Premierminister von Namibia Theo-Ben Gurirab, zwei amtierenden Ministern aus Tansania, der Botschafterin von Mali, dem Botschafter von Algerien sowie Vertretern der GTZ.
Die wirtschaftliche Dimension von "Entrepreneurial Spirit" stellte Prof. Josef Schleicher von der DaimlerChrysler AG vor. Das Unternehmen, das das Arbeitsprogramm seit längerem unterstützt, ist auf vielfältige Weise in Afrika tätig, etwa in der Berufsausbildung und der AIDS-Prävention. Vertreter der Deutschen BP AG, der BASF AG, verschiedener mittelständischer Firmen und Mikrofinanzorganisationen diskutierten mit Unternehmern aus Kamerun, Mosambik, Nigeria, Rwanda und Südafrika sowie den USA die Möglichkeiten und Bedingungen für unternehmerischen Erfolg. Dabei bestand Einigkeit über das große Potenzial, das Afrika biete. Es wurde deutlich, dass inzwischen vor allem China den afrikanischen Kontinent als Rohstoff- und Absatzmarkt entdeckt hat, während sich das Engagement des Westens vorrangig auf Entwicklungszusammenarbeit konzentriert.
Ein weiteres Panel befasste sich mit der ideellen und kreativen Dimension von Unternehmergeist. Impulse und Inspirationen kamen von Erzbischof Gregory aus Ghana, John Bryant als Gründer der amerikanischen NGO Operation HOPE, von der nigerianischen Menschenrechtlerin und Unternehmerin Fatima Wali sowie Jeremy Gaines von der "Commission for Africa". Gerade die Nachwuchskräfte seien gefordert, die Herausforderungen ihrer Länder mit Mut und "Spirit", Vertrauen und Verantwortung anzugehen.
Die ausgewählten international erfahrenen "Young Leaders" unterstrichen mit eigenen Projekten, "Lighthouses" und Businessplänen die hoffnungsvollen Perspektiven Afrikas. Beispiele lieferten das vorgestellte Medienunternehmen Tele10 Group in Rwanda und die Nonprofit-Initiative FDC in Mosambik. Als wichtige Botschaft forderten die "Young Leaders" bessere Chancen zur Integration in die etablierten Strukturen und Netzwerke der internationalen Gemeinschaft. Nur dann könnten sie ihr Potenzial einbringen, mit Unternehmergeist neue Wege gehen, Produkte, Dienstleistungen und Problemlösungen anbieten und damit zur Entwicklung in Afrika beitragen.
Das Afrika-Forum 2006 in Wittenberg hat den Zusammenhang von eigenverantwortlichem unternehmerischem Handeln und gesellschaftlicher Entwicklung aufgezeigt. Das Programm "Building Global Cooperation" wird die Impulse aufgreifen und weiterentwickeln. So soll im November 2007 ein "European-African Business Summit" in Hamburg stattfinden, an dem sich das Wittenberg-Zentrum inhaltlich beteiligen wird.

"What I see is the coming together of religion, of movements, of politics, and of business with no one having all of the troubles or all of the answers. But in a dialogue, we might realize that all our insights are relative to the insight of others."
Andrew Young
Gründer des Wittenberg-Zentrums
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