Innovationskultur braucht Kontinuitätskultur

Unter dem Titel „Innovation für eine nachhaltige Entwicklung“ hatte die Initiative Chemie³ gemeinsam mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung am 18. November zum Dialog nach Berlin eingeladen.

Nach den Einführungreferaten von Dr. Kurt Bock (für den VCI), Michael Vassiliadis (für die IG BCE), Dr. Kai Beckmann (für den BAVC) und der Keynote-Speech von Bundesminister Peter Altmaier gehörte auch Prof. Andreas Suchanek (für das WZGE) zu den Impulsgebern. Angesprochen auf das Spannungsfeld zwischen Innovationen und Nachhaltigkeit betonte er in seinem Beitrag folgende Punkte:

  1. Innovationen bringen Fortschritt, erzeugen Wohlstand und sind für die Bewältigung anstehender gesellschaftlicher – auch ökologischer – Herausforderungen von grundlegender Bedeutung.
  2. Zugleich verlangen Innovationsprozesse den Menschen einiges ab: Manche Beschäftigte verlieren ihre Arbeit, ihr Humankapital wird entwertet. Unternehmen gehen mitunter zugrunde. Innovationen bedeuten bisweilen Kontrollverlust und neue Abhängigkeiten. Risiken und Nebenwirkungen von Innovationen können Gesundheits-, Sicherheits- und Schutzrechte beeinträchtigen.
  3. Innovationen sind stets eingebettet in einen Kontext, der oft als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Dazu gehören die sozialen und institutionellen Praktiken, mit denen Menschen ihr Zusammenleben organisieren und deren Stabilität und Verlässlichkeit Voraussetzung für gesellschaftliche Nachhaltigkeit ist. Aus dem Blick gerät leicht, dass Innovationen Vertrautes und Bewährtes in Frage stellen. Das ist manchmal gut und richtig, bisweilen aber eine erhebliche Zumutung gerade für jene, die das Vertraute, Bewährte und Tradierte brauchen.
  4. Damit stellt sich die Frage: Wer oder was gibt den Menschen das Vertrauen, dass Innovationen gut für sie sind? Wer muss dafür welche Beiträge leisten? Dazu reicht es nicht, allein die positiven Seiten hervorzuheben. Es gilt auch, die Sorgen und Ängste der Menschen im Blick auf Veränderungen ernst zu nehmen. Und es ist notwendig, nach den Veränderungen zu fragen, die durch die Innovationen hervorgerufen werden.

Kurzum: In Zeiten des Wandels steigt die Bedeutung von Verlässlichkeit: Innovationskultur braucht Kontinuitätskultur (O. Marquard).

Die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ wird von den drei Allianzpartnern Verband der Chemischen Industrie (VCI), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) getragen. Das WZGE begleitet die Initiative im Stakeholder-Beirat sowie im Expertenkreis.