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Selbstbindung schafft Vertrauen –
Georg Kell berichtet in Leipzig über Fortschritte des Global Compacts
  25.10.2007  
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Verantwortliches Handeln entwickelt sich in der Weltwirtschaft immer mehr zu einem „harten Erfolgsfaktor“. Das war eine der zentralen Botschaften, die Georg Kell, Leiter des UN Global Compact Büros in New York, am Abend des 23. Oktober Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft vermittelte. Zur Diskussion über das Programm und die Fortschritte des Global Compact an der Handelshochschule Leipzig (HHL) hatten das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik, die HHL und die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen/ Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eingeladen.

„Die gute Nachricht ist, dass die Finanzwelt anfängt, das Thema Verantwortung zu verstehen“, sagte Kell. Inzwischen erkennen auch die Entscheider an den Kapitalmärkten, dass Ausbeutung und Korruption langfristig zu Risiken führen, die kaum noch abschätzbar sind. In der Folge geraten die Unternehmen unter Druck, ihre Vertrauenswürdigkeit unter Beweis zu stellen. Deshalb haben sich bereits mehr als 4.000 Unternehmen weltweit freiwillig zu den zehn Prinzipien des Global Compact verpflichtet, Tendenz steigend. Laut Kell geht es nun darum, das Prinzip Verantwortung mit Hilfe von Standards in den Grundsätzen von Unternehmensführung und -strategie – also bis ins Top-Management – zu verankern. Denn nach wie vor fehlen Methoden zur Anwendung und Umsetzung im Unternehmensalltag. Als Ausgangspunkt  für deren Entwicklung haben die Vereinten Nationen bereits im Juli dieses Jahres die „Principles of Responsible Management Education“ verabschiedet. 

Für die Ausarbeitung und Vermittlung solcher Standards ist das UN Global Compact Büro auf Unterstützung angewiesen: einerseits von Hochschulen wie der HHL, ande-rerseits von Institutionen, die zwischen Theorie und Praxis vermitteln. In diesem Zu-sammenhang hob Kell die besondere Bedeutung des Wittenberg-Zentrums als „Leuchtturm“ für den ethischen Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft hervor.

Professor Andreas Suchanek, Vorstand des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik und Inhaber des Lehrstuhls „Nachhaltigkeit und Globale Ethik“ an der HHL unterstrich den Wert freiwilliger Selbstverpflichtungen für die Wirtschaft: „Verlässliche Partner schaffen sich selbst Wettbewerbsvorteile. Verlässlichkeit muss aber glaubwürdig und dauerhaft organisiert werden – zum Beispiel durch Netzwerke, wie den Global Compact.“ Die Erfahrungen des Wittenberg-Zentrums zeigten, dass auf Seiten der Wirtschaft der Bedarf an Methoden und Konzepten zur Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung stetig zunehme. Und dies betrifft Top-Konzerne wie den zunehmend global agierenden Mittelstand gleichermaßen.

Schließlich wies Kell darauf hin, dass die Erfolgsgeschichte des Global Compact auch zeige, wie mit Hilfe von Selbstbindungen politische Prozesse angestoßen werden können: So berichtete er von verschiedenen Staaten, deren politische Führungen den Global Compact zunächst abgelehnt hatten. Inzwischen haben aber die dort ansässigen Unternehmen die Gründung nationaler und regionaler Netzwerke durch-gesetzt. Diesen Initiativen „von unten“ könne sich die Politik dann langfristig nicht entziehen. 

Hintergrund Global Compact:
Der Global Compact ist die weltweit bedeutendste Initiative zur Förderung und Verbreitung von Unternehmensverantwortung. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 haben sich über 4.000 Unternehmen aus mehr als 90 Ländern dazu verpflichtet, die Menschenrechte und die Umwelt zu schützen, faire Arbeitsbedingungen sicherzustellen und gegen Korruption vorzugehen. Der Global Compact versteht sich dabei als wertebasierte Lern- und Austauschplattform. Die Mitglieder müssen jährlich über ihre Aktivitäten im Rahmen des Global Compact berichten. Andernfalls droht ihnen der Ausschluss aus dem Netzwerk; allein im laufenden Jahr wird voraussichtlich einigen hundert Unternehmen der Mitgliedsstatus entzogen werden.