Nachwuchskräfte aus Afrika, Amerika und Deutschland diskutieren über Unternehmergeist und Wettbewerbsfähigkeit
Unternehmergeist und Wettbewerbsvorteile sowie selbst bestimmtes und eigenverantwortliches Handeln sind die Voraussetzungen für eine stabile und erfolgreiche Entwicklung in Afrika und überall auf der Welt. Um diese zu erreichen muss die Entwicklungszusammenarbeit neu ausgerichtet werden: von gut gemeinter Wohltätigkeit hin zu Investitionen und Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.
(Wittenberg, 31. Mai 2007) Wenn sich die Vertreter der G8-Staaten in Heiligendamm treffen, wird die Entwicklung Afrikas als ein zentrales Thema auf der Agenda stehen. Dabei geht es vor allem um politische Konzepte für „gute Regierungsführung“, ein besseres Investitionsklima sowie die weitere Entschuldung des Kontinents. Während die führenden Industrienationen über die Zukunft Afrikas verhandeln und Globalisie-rungskritiker gegen diese Politik protestieren und nach „mehr Hilfe für die Armen“ rufen, wollen hoffnungsvolle Nachwuchskräfte aus Afrika ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und die weitere Entwicklung in ihrer Heimat aktiv mit gestalten.
Vom 29. bis 31. Mai trafen sich am Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik junge Persönlichkeiten aus verschiedenen afrikanischen Staaten, Deutschland und den USA, um über unternehmerisches Denken, eigenverantwortliches Handeln und die Nut-zung von Potenzialen in Afrika zu diskutieren. Dabei wurde deutlich, dass Afrikas Möglichkeiten und Stärken in Europa immer noch unterschätzt werden. Während China seinen Hunger nach Rohstoffen in Afrika zu stillen versucht und seine Investi-tionen zügig vorantreibt, halten sich die westlichen Industrienationen weiterhin zu-rück. Sie sehen Afrika vor allem als „K-Kontinent“: K für Kriege und Konflikte, Korruption und Kriminalität, Krankheiten und Katastrophen. Gerade auch in Deutschland hat man lange Zeit unter dem Schlagwort „Entwicklungszusammenarbeit“ primär auf Wohltätigkeit oder „Hilfe zur Selbsthilfe“ gesetzt. Die ökonomischen Potenziale und die wirtschaftlichen Interessen Afrikas wurden dagegen weitgehend ausgeblendet.
Hier muss nach Ansicht der jungen Afrikaner ein Umdenken erfolgen: „Wir brauchen mehr Unternehmer- und Investitionstätigkeit und weniger Reden über Wohltätigkeit“, fordert Tumenta F. Kennedy, Projektmanager am Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik. Nur so könne der Kontinent langfristig seine eigenen Stärken entfalten und im Zeitalter der Globalisierung zur Geltung bringen.
Ihre Ergebnisse haben die Teilnehmer in zehn Thesen zusammengefasst, die sich an Menschen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wenden (siehe unten). Eine zentrale Idee lautet: Ein ökonomischer Denkansatz scheint notwendig, um die Entwicklung Afrikas selbst bestimmt und eigenverantwortlich voranzutreiben und Potenziale zum gegenseitigen Vorteil fruchtbar zu machen. Dazu gehören auch glaubwürdige und faire Spielregeln sowie das Verständnis von verantwortungsvollem Handeln unter den jeweiligen landespezifischen Besonderheiten.
Der Workshop fand im Rahmen des Programms „Building Global Cooperation – New Alliances with Africa“ statt, das seit 2001 am Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik durchgeführt wird. Im Dezember 2006 waren in der Lutherstadt zahlreiche Nach-wuchskräfte aus 25 Staaten sowie führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zum Thema „Fostering Entrepreneurial Spirit“ zu-sammengekommen.